Abschreiben

Ziel des Abschreibens ist es nicht, einzelne Wörter zu kopieren oder auswendig zu lernen, sondern Konstruktionsprinzipien der Rechtschreibung zu verinnerlichen. Das Abschreiben als Methode zum Erlernen der Rechtschreibung ist deshalb vor allem dann ertragreich, wenn vier Bedingungen erfüllt werden:

  1. Aufmerksamkeit ausrichten: Die Aufmerksamkeit der Schüler(innen) muss auf die Schreibung der Wörter ausgerichtet werden. Dies wird erreicht, indem sie vor dem Schreiben den Text mit der Anweisung „Markiere alle Stellen, an denen du etwas anderes schreibst, als du sprichst“ markieren.
  2. Kopieren verhindern: Das Kopieren einzelner Buchstaben muss systematisch verhindert werden. Deshalb wird nach dem Lesen eines Wortes oder Satzabschnittes die Vorlage (Wörterkarte, Abschreibtext, …) beiseite gelegt oder umgedreht. Erleichtert wird das Ganze durch ein spezielles Abschreibheft.
  3. Mitsprechen: Schüler(innen) entwickeln ein sicheres Gespür für die Schreibung, wenn sie beim Schreiben in der „Schreibsprache“ mitsprechen.
  4. Kontrollieren: Nach jedem Wort oder Satzabschnitt wird unmittelbar kontrolliert und ggf. korrigiert. Kontrollieren bedeutet hier: Die Schüler(innen) „erlesen“ noch einmal genau, was sie geschrieben haben, und können dabei selbstständig Buchstabendreher, Auslassungen und andere Verschreibungen finden. Ziel beim Abschreiben ist es, direkt alles richtig zu schreiben.

Die beschriebene Methode des Abschreibens ist in allen Lernbereichen gleich. Es wird daraus erst eine auf den jeweiligen Lernbereich zugeschnittene Übung, indem die Schüler(innen) beim Markieren auf ganz bestimmte Stellen in den Wörtern achten (diese „schwierigen Stellen“ und das Wortmaterial sind von Lernbereich zu Lernbereich unterschiedlich) und indem sie das Mitsprechen beim Schreiben in jedem Lernbereich weiterentwickeln (vom Dehnsprechen über die Anweisung „Sprich, wie du schreibst“ zum Silbensprechen usw.). Für die Abschreibübungen in einem Lernbereich können dann wiederum unterschiedliche Materialien genutzt werden, z. B. die Wörterkarten des Modellwortschatzes, die Abschreibtexte oder die Wörterlisten (jeweils passend zum Lernbereich). So ergibt sich eine große Übungsvielfalt bei gleichzeitiger Konstanz der Methode. Den Schüler(inne)n verleiht das Sicherheit und Selbstständigkeit beim Lernen.

 

Weiterentwicklungen der Abschreibmethode: Partner- und Selbstdiktat

Das Partner- und das Selbstdiktat sind Weiterentwicklungen der Abschreibmethode. Auch beim Selbst- und beim Partnerdiktat markiert das schreibende Kind zunächst alle Stellen, an denen die Schreibung von der Aussprache abweicht. Beim Selbstdiktat spricht es dann die Wörter oder Satzabschnitte in ein Aufnahmegerät (Diktiergerät, Handy, Computer) und lässt sie sich anschließend vom Gerät diktieren. Es darf sich Hilfen mitdiktieren.

Beim Partnerdiktat übernimmt der Übungspartner das Diktieren. Hierbei gilt die Regel: Das diktierende Kind ist immer für die richtige Schreibung verantwortlich! So wird jede Diskussion vermieden und das diktierende Kind dazu angehalten,

  • deutlich und in „Schreibsprache“ zu diktieren,
  • dem Partner so viele Hilfen zu geben, wie er braucht,
  • Verschreibungen direkt beim Schreiben zu korrigieren.

Partner- und Selbstdiktat sind sinnvolle Weiterentwicklungen der Abschreibmethode, denn die oben genannten vier Bedingungen für das Abschreiben sind hier gleichermaßen erfüllt. Abschreibübungen, bei denen eine oder mehrere der Bedingungen nicht erfüllt sind, mindern den Lernertrag und sind deshalb nicht empfehlenswert.