Qualitative Textanalyse

Die Qualitative Textanalyse der Rechtschreibwerkstatt bezieht sich auf die Lernbereiche, die sich aus der Ordnung der Rechtschreibung ergeben, und damit auch auf die in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz beschriebenen Kompetenzbereiche des Faches Deutsch.

Jede Rechtschreibkompetenz setzt sich aus folgenden Teilkompetenzen zusammen:

1) Sprachgespür:

Ein sicheres Sprachgespür ist die Grundlage für die Bildung eines sicheren Rechtschreibgespürs. Die Erfassung der Sprachkompetenz kann nur in alltäglichen Sprechsituationen erfolgen. Neben der korrekten und deutlichen Aussprache (Lautebene, Artikulation) und der Verwendung eines angemessenen Wortschatzes (Wortebene, Wortbedeutung) geht es hier vor allem um die korrekte Bildung von Sätzen (Satzebene, Betonung/Intonation) und um die Formulierung zusammenhängender Gedanken (Kontextebene, Rhetorik).

2) Rechtschreibgespür:

Ziel des Rechtschreibunterrichts ist es, dass die Kinder ihre eigenen Texte angemessen richtig schreiben. Gerade bei den eigenen Texten ist die Aufmerksamkeit der Schreiber(innen) jeweils auf den Inhalt ausgerichtet. Hier zeigt sich am deutlichsten, welche Rechtschreibprinzipien ein Kind bereits so weit verinnerlicht hat, dass sie „automatisch“ angewendet werden (Rechtschreibgespür). Um dieses Rechtschreibgespür zu erfassen, werden die Texte anhand eines qualitativen Analyserasters ausgewertet, welches sich an der Ordnung der Rechtschreibung orientiert.

3) Rechtschreibwissen und Reflexion über Schriftsprache:

Zur Rechtschreibkompetenz gehört neben dem Rechtschreibgespür jedoch auch die Kompetenz, über Rechtschreibung nachzudenken und sich Rechtschreibprinzipien bewusst zu machen. Dabei geht es nicht um das Auswendiglernen von Rechtschreibregeln, sondern um ein Grundverständnis des Aufbaus und der Grundprinzipien der deutschen Rechtschreibung.

Die Reflexion über Schriftsprache gelingt am einfachsten in „Rechtschreibgesprächen“ in kleinen Lerngruppen. Anlässe für solche Gespräche können ungewöhnliche Schreibungen in Texten der Kinder oder sogenannte „Aufgaben für Spürnasen“ sein, die spezifische Rechtschreibprobleme thematisieren. In diesen Gesprächen lässt sich auch am ehesten beobachten, ob und wie die Kinder Fragen zur Schreibung von Wörtern stellen und welche Lösungswege sie einschlagen: Ist die Aufmerksamkeit auf das einzelne Wort ausgerichtet (z. B. durch Nachschlagen im Wörterbuch)? Oder können sie auch Fragen zu grundlegenden Rechtschreibprinzipien stellen und Lösungen erarbeiten (z. B. Wann schreiben wir Wörter mit Doppelkonsonanten?)?

Solange die Aufmerksamkeit auf den Inhalt des zu schreibenden Textes ausgerichtet ist, unterlaufen auch den erwachsenen, rechtschreibkompetenten Schreiber(inne)n einzelne Verschreibungen oder Tippfehler. Wenn ein geschriebener Text rechtschriftlich weitgehend korrekt sein soll, bedarf es in einem zweiten Schritt seiner rechtschriftlichen Überarbeitung. Bei dieser Überarbeitung werden Korrekturtechniken wie auch explizites Rechtschreibwissen angewendet. Insofern lässt sich die Kompetenz des Zurückgreifens auf Rechtschreibwissen am ehesten anhand der Überarbeitung der Texte erfassen.

4) Methoden- und Korrekturkompetenz:

Um ein Rechtschreibgespür, Rechtschreibwissen und Korrekturkompetenz aufzubauen, bedarf es grundlegender Rechtschreiblernmethoden. Hierzu gehören:

Methoden zur Entwicklung eines Rechtschreibgespürs:
Schreiben und mitsprechen, Abschreibtechnik (Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf die Schreibung der Wörter, Kopieren einzelner Zeichen verhindern, Selbstkontrolle), Partnerdiktat und Selbstdiktat (Anweisung: „Diktiere das Wort/den Text so, dass dein Partner das Wort/den Text mit Sicherheit richtig schreibt.“).

Methoden zur Reflexion:
Wörter nach Rechtschreibphänomenen sammeln und gruppieren, „Rechtschreibgespräche“, Eigenregeln erstellen und überprüfen, Merkhilfen nutzen (z. B. Wer „nämlich“ mit h schreibt, …).

Methoden zur Überarbeitung von Texten:
Korrekturtechniken (z. B. „Lesen, was da steht”, „Mit Wörtern jonglieren”), Nachschlagen von Wörtern in einem Wörterbuch, Überprüfung der Rechtschreibung anhand von Rechtschreibregeln, sachgerechte Nutzung von Korrekturprogrammen am Computer.

Das Ziel der Erfassung der Rechtschreibkompetenz ist es, herauszufinden, wo ein Kind auf dem Weg zur normgerechten Schreibung steht. Diese Analyse ist Grundlage für die gemeinsame Beratung über weitere Lernschritte. Bei einer erneuten Analyse der Rechtschreibkompetenz kann der Lernertrag (Vergleich zweier Analysen) dann mit den eingesetzten Methoden und durchgeführten Übungen in Beziehung gesetzt werden. So können die Kinder Schritt für Schritt eine Methodenkompetenz aufbauen.

Über die Analyse der individuellen Schülertexte hinaus ist es außerdem sinnvoll, die Lernentwicklungen der Kinder regelmäßig und zu festgelegten Zeitpunkten zu erfassen (z. B. alle Vierteljahre, jeweils vor den Ferien). Hierzu beinhaltet die Qualitative Textanalyse der Rechtschreibwerkstatt 52 standardisierte Diktate (für Primar- und Sekundarstufe), die ungeübt zur Rechtschreibanalyse geschrieben werden. Durch die stets gleiche Anzahl unterschiedlicher Rechtschreibphänomene aus den einzelnen Lernbereichen ist zwischen allen Diktaten eine Vergleichbarkeit gegeben. So kann die Entwicklung der jeweiligen Rechtschreibkompetenz der Kinder über einen langen Zeitraum hinweg erfasst werden.

Die Verschreibungen eines Kindes werden dann, differenziert nach Lernbereichen, in einer Tabelle festgehalten (siehe kommentierte Auswertungsbeispiele) . So ist direkt zu erkennen, in welchen Lernbereichen eine Weiterarbeit möglich und sinnvoll ist. Da die Diktate auch als computergestützte Audio-Diktate vorhanden sind, können die Kinder zu individuellen Zeitpunkten ihre jeweilige Rechtschreibkompetenz überprüfen lassen.

Zur qualitativen Auswertung von Schülertexten gibt es das ausführliche Anleitungsheft „Qualitative Textanalyse. Anleitung zur Durchführung und Auswertung“.

Neben einer ausführlichen Anleitung zur qualitativen Textanalyse nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt für die Erfassung der Schreib- und Rechtschreibkompetenz bietet das Heft auch eine umfassende Einführung in die Thematik. Das Heft enthält außerdem das Faltblatt „Das Konzept der Rechtschreibwerkstatt – KOMPAKT“, mit dessen Hilfe sich das komplexe Konzept der Rechtschreibwerkstatt sehr anschaulich nachvollziehen lässt. Inhaltlich ist das Heft in folgende Schwerpunkte gegliedert:
– Schreib- und Rechtschreibkompetenz
– Analyse der Rechtschreibkompetenz
– Standardisierte Diktate schreiben und Texte qualitativ auswerten

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